Autorenblog

Sonntag, 7. August 2016

Appetithappen aus "Die Zähmung der Haselnuss"

Es poltert laut an der Tür. „Komm raus, Feigling“, tönt seine tiefe Stimme trocken.
„Du Arsch!“, flüstert sie hasserfüllt in Richtung des dunklen Holzes. Wie kann ein Mensch nur so arrogant und selbstherrlich sein? Wütend steigt sie aus der Dusche, trocknet sich ab und zieht sich den Morgenmantel über. Als sie die Tür öffnet, drehen Pascal und Ella ihr die Gesichter zu.
Kira strafft sich. Ein „Guten Morgen“ krabbelt halbwegs freundlich über ihre Lippen. Ella grüßt fröhlich zurück, Pascal starrt sie mit Röntgenaugen an. „Komm her, setz dich zu uns.“
„Darf ich mich erst anziehen?“, fragt sie gereizt.
„Nein“, antwortet er, „erst besprechen wir den Tag, denn ich muss weg. Meine Gruppe wartet.“
Grummelnd lässt sie sich neben ihm auf die Couch fallen. Ella gießt ihr Kaffee ein. „Keine Sorge. Im Hotel läuft alles. Ich bin seit sechs Uhr hier.“
Kira stutzt. „Hättest du nicht heute frei?“
„Wir haben doch gestern verabredet, dass ich komme.“
Kira nickt. „Ja. Aber doch nicht zum Arbeiten und so früh.“
Ella grinst. „Kein Problem.“
„So, die Damen, das ist der Plan für heute.“ Er sieht von Ella zu Kira. „Dein Bruder hat vorhin schon das Hotel verlassen. Max ist hinterher, gemeinsam mit Finn werden sie ihn abwechselnd durch den Tag begleiten. Mal sehen, was er so treibt. Ihr beiden bleibt zusammen, egal ob hier oder draußen.“
Kira will protestieren. Was soll ihr passieren, wenn Oli außer Haus ist? Pascal scheint ihre Gedanken lesen zu können, denn bevor sie den Mund aufmacht, sieht er sie eindringlich an. „Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass unser Verdacht falsch sein könnte und jemand anders dir schaden will.“ Sein Blick wandert wieder zu Ella. „Anna ist oben in ihrem Zimmer. Ihr ruft sie, falls ihr sie braucht, sonst nicht. Niemand muss wissen, dass ihr euch kennt. Klar?“
Ella nickt. „Klar. Wann kommst du wieder?“
„Ich weiß es noch nicht. Auf jeden Fall bin ich über Nacht wieder hier.“
Kira durchzuckt ein elektrischer Schlag. Sie holt Luft, um zu protestieren, doch bevor ihr die erste wütende Silbe herausflutscht, hat er schon in ihr Haar gepackt und ihr Gesicht zu seinem herumgedreht. „Wir unterhalten uns heute Abend. Sehr ausgiebig. Komm nicht auf die Idee, dem ausweichen zu wollen.“
Ohne eine Antwort abzuwarten, steht er auf, greift sich seinen Schlüsselbund und verlässt mit kurzem Gruß das Appartement.
Als die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen ist, sackt Kira mit einem tiefen, genervten Stöhnen in sich zusammen, was Ella ein albernes Kichern entlockt. „Manchmal möchte man ihn treten, töten und vierteilen, nicht?“
„Ja“, seufzt Kira, ihr aus tiefstem Herzen zustimmend.
Ellas Augen werden schmal und sie legt den Kopf schräg. „Er mag dich. Ist da was zwischen euch?“
„Nein!“
Sie zuckt mit den Schultern. „Schade, wäre mal was interessantes Neues gewesen.“
Kira nimmt sich ein Brötchen und schneidet es auf. „Wie meinst du das?“
„Ich habe Pascal noch nie verliebt erlebt. Das meine ich.“
„Er ist nicht verliebt. So ein Quatsch“, protestiert Kira grimmig. Was soll das überhaupt? Wieso tut ihre Angestellte plötzlich so, als ob sie engste Freundinnen wären. Das war ein Fehler, das mit dem Du. Dummer Fehler in einem blöden sentimentalen Moment. Aber … ach Mist, irgendwie ist sie auch froh. Sie mag Ella, sie sind im gleichen Alter, wären eigentlich Kollegen und würden sich garantiert super verstehen, wenn sie in diesem Scheißladen nicht die Chefin spielen müsste. Wenn sie ganz ehrlich ist, will sie das Hotel nicht mehr. Die Verantwortung lastet zu schwer auf ihr. Als Angestellte war das Leben viel einfacher.
Ella holt sie aus ihren Gedankengängen zurück. „Na … ich weiß nicht … Auf jeden Fall mag er dich, sonst würde er das nicht alles für dich tun“, meint sie gleichmütig.
Kira stöhnt. „Ich bin ihm auch wirklich dankbar, aber muss er dabei so ein ungehobelter, arroganter, selbstherrlicher Klotz sein?“
Ella winkt lachend ab. „Ich weiß, was du meinst. Er steht darauf, Frauen übers Knie zu legen. Was erwartest du?“

Kira zuckt zusammen und Ella verdreht die Augen. „Komm schon, du warst in seiner Wohnung. SM! Er spielt gern und damit gleich alles Diesbezügliche geklärt ist: Tim ist auch so einer und im Keller haben wir ein Spielzimmer.“ Genüsslich beißt sie in ihr Brötchen.

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